Urheberrecht: Nattapol Sritongcom @shutterstock.com

Wirtschaftliche Lage im Februar 2017

BMWi, Pressemitteilung vom 17.02.2017 

  • Die Konjunktur in Deutschland hat sich im vierten Quartal 2016 belebt. Das Bruttoinlandsprodukt nahm um 0,4 % zu.
  • Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wurde im Dezember spürbar zurückgenommen, was aber auch auf die ruhende Produktion zwischen den Jahren zurückzuführen sein dürfte. Auftragseingänge und Stimmungsindikatoren signalisieren einen guten Start in das Jahr 2017.
  • Die positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt setzen sich 2017 fort.

Die deutsche Wirtschaft hat sich im Jahresschlussquartal belebt. Nach dem schwächeren Wachstum im Sommerquartal um preis-, kalender- und saisonbereinigt 0,1 % nahm ihre Wirtschaftsleistung im vierten Quartal wieder beschleunigt um 0,4 % zu. Die maßgeblichen Impulse kamen erneut von der Binnenwirtschaft. Neben den privaten und staatlichen Konsumausgaben trugen die Bauinvestitionen zum Wachstum bei. Die Investitionen in Ausrüstungen blieben demgegenüber weiter verhalten. Die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen beschleunigten sich im Schlussquartal spürbar, allerdings weniger stark als die Einfuhren. Der Außenhandel dämpfte daher per Saldo rechnerisch das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Insgesamt blieb es bei einem sehr ordentlichen Wachstum des BIP im Jahr 2016 von preisbereinigt 1,9 %.

Die Konjunkturindikatoren sprechen für einen soliden Start in das Wirtschaftsjahr 2017. Das Geschäftsklima in der Wirtschaft ist gut und die Beschäftigung nimmt, wenn auch etwas verhaltener, weiter zu. Die Auftragseingänge für das Verarbeitende Gewerbe und das Bauhauptgewerbe haben im Jahresschlussquartal 2016 einen deutlichen Schub erhalten. Alles in allem dürfte dies zu einer weiteren Ausweitung der gesamtwirtschaftlichen Leistung im ersten Quartal sowohl im Produzierenden Gewerbe als auch in den Dienstleistungsbereichen führen. Allerdings bleiben Unsicherheiten insbesondere im außenwirtschaftlichen Umfeld bestehen.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft bleiben verhalten. Nach der leichten Abschwächung im vergangenen Jahr dürfte ihre Dynamik in diesem Jahr etwas zunehmen. So wurde die weltweite Industrieproduktion zuletzt etwas stärker ausgeweitet. Der globale Einkaufsmanager-Index von Markit verharrt auf hohem Niveau. In den Vereinigten Staaten hat sich das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal nach einem starken Vorquartal allerdings wieder etwas abgeschwächt. Im Euroraum konnte die Wirtschaft demgegenüber ihr Expansionstempo etwas erhöhen und entsprechend der jüngsten Prognose der EU-Kommission auch stabilisieren. Die Wachstumsaussichten für Japan bleiben moderater. Von den Schwellenländern verzeichnete China wieder ein konstanteres Wachstum. Mit den anziehenden Rohstoffpreisen dürften Russland und Brasilien ihre Rezession verlassen. Der Internationale Währungsfonds erwartet in seiner Prognose vom Januar ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,4 % für dieses Jahr nach 3,1 % im vergangenen Jahr.

Nach den vorläufigen Ergebnissen aus der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank wurden im Jahr 2016 von Deutschland Waren und Dienstleistungen im neuen Rekordwert von 1.442,4 Mrd. Euro exportiert (+1,9 %). Dem standen nominale Importe in Höhe von 1.199,2 Mrd. Euro (+1,0 %) gegenüber. Der Leistungsbilanzsaldo erhöhte sich um rd. 13 Mrd. Euro auf 266 Mrd. Euro. Trotz des Rückgangs der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen im Dezember um saisonbereinigt 5,8 % ergab sich für das Schlussquartal 2016 mit +1,9 % dennoch eine Beschleunigung der nominalen Ausfuhren. Bei einem vergleichsweise leichten Rückgang der nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen im Dezember um 1,0 % nahmen die Einfuhren im Schlussquartal mit +4,0 % erneut deutlich stärker zu als die Ausfuhren. Die nationalen Konjunkturindikatoren für den Außenhandel deuten neben der Einschätzung der Weltkonjunktur auf eine weiterhin moderate Expansion der Exporte hin.

Das Produzierende Gewerbe produzierte im Dezember deutlich weniger als im Vormonat (-3,0 %). Hierbei könnte eine Rolle spielen, dass es diesmal überdurchschnittlich viele Arbeitstage zwischen den Jahren gab, an denen die Produktion erfahrungsgemäß eingeschränkt wird. Die Industrieproduktion wurde daher nach den vorläufigen Ergebnissen um 3,4 % etwas stärker zurückgefahren. Der Trend der Industrieproduktion dürfte dennoch leicht aufwärtsgerichtet bleiben, da trotz der Sondereffekte zum Jahresende im vierten Quartal kaum weniger (-0,2 %) als im dritten Quartal 2016 produziert wurde. Auch dürften die Produktionseinbußen zu Beginn des neuen Jahres zumindest teilweise wettgemacht werden. Vor allem sprechen die industriellen Auftragseingänge für eine Belebung der Industriekonjunktur. Im vierten Quartal nahmen die Bestellungen in der Industrie um 4,2 % zu. Dabei zogen die Bestellungen aus dem Inland um 6,1 % sowie dem Ausland (außerhalb des Euroraums +3,2 %, Euroraum +2,5 %) kräftig an. Auch die Stimmungsindikatoren lassen ein solides Produktionswachstum in den kommenden Monaten erwarten. Die Erzeugung im Bauhauptgewerbe sank im Dezember gegenüber November um 1,7 %, im vierten Vierteljahr wurde dennoch ein merkliches Produktionsplus von 1,6 % zum Vorquartal erreicht. Die starke Baukonjunktur dürfte sich fortsetzen.

Der private Konsum nahm im Jahr 2016 preisbereinigt um 2,0 % kräftig zu. Auch im Jahresschlussquartal dürfte er spürbar zugenommen haben. Trotz des Umsatzrückgangs im Einzelhandel (ohne Kfz) im Dezember um 0,9 % legten die Umsätze im Durchschnitt des vierten Quartals spürbar zu (+0,3 %). Die Umsätze und die Neuzulassungen im Kfz-Handel entwickelten sich zum Jahresende demgegenüber eher verhalten. Die Stimmung sowohl unter den Einzelhändlern als auch unter den Verbrauchern blieb aber sehr positiv.

Der Arbeitsmarkt befindet sich zur Jahreswende in guter Verfassung. Die Erwerbstätigkeit nahm saisonbereinigt weiter zu. Sie lag im Dezember bei 43,6 Mio. Personen, 0,5 % über Vorjahresniveau (Ursprungszahlen). Die Entwicklung bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ist etwas weniger dynamisch, wobei auch im November der Vorjahresstand deutlich um 1,1 % überschritten wurde. Die Frühindikatoren deuten weiterhin auf eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften hin, wobei es schwieriger wird, das knappe Angebot und die Nachfrage zusammenzuführen. Die Arbeitslosigkeit sank im Januar saisonbereinigt um 26.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen waren 2,78 Mio. Personen arbeitslos gemeldet. Bei Flüchtlingen, die Zugang zum Arbeitsmarkt haben, nahm die Arbeitslosigkeit schrittweise zu, obwohl gleichzeitig viele Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen qualifiziert wurden. Der Ausblick für den Arbeitsmarkt bleibt insgesamt positiv.

Quelle: BMWi

Zurück